Hast du schon einmal Schmerzen gespürt, obwohl dein Arzt dir versichert hat, dass „alles in Ordnung“ sei? Oder quälst du dich mit einem MRT-Befund herum, der furchteinflößend klingt, aber keine Therapie scheint wirklich zu helfen?
Lange Zeit dachte man, der menschliche Körper funktioniere wie eine Maschine: Wenn ein Teil kaputt ist, sendet es ein Schmerzsignal. Doch die moderne Schmerzforschung (Pain Neuroscience Education, kurz PNE) hat dieses veraltete Bild revolutioniert.
Schmerz ist kein einfacher „Schadensmelder“, sondern das Ergebnis eines hochkomplexen Schutzsystems in deinem Gehirn.
Dieser Artikel ist Teil meines großen Guides zum Thema Schmerzmanagement. Hier erfährst du alles über das Functional-Basics-Schmerz-Konzept.
Der wichtigste Paradigmenwechsel zuerst: Schmerz entsteht im Gehirn, nicht im Gewebe. Stell dir dein Nervensystem wie eine hochsensible Alarmanlage vor. Die Aufgabe dieser Anlage ist es, dich vor potenziellen Gefahren zu schützen.
Wenn du auf einen Nagel trittst, senden Nerven einen Impuls an das Gehirn. Dein Gehirn bewertet diesen Impuls blitzschnell unter Berücksichtigung deiner Umgebung, deiner Erfahrungen und deiner aktuellen Verfassung. Nur wenn dein Gehirn entscheidet, dass du in Gefahr bist, produziert es das Gefühl „Schmerz“, damit du den Fuß wegziehst.
Bei chronischen Schmerzen ist jedoch oft nicht der „Nagel“ das Problem, sondern die Alarmanlage selbst: Sie ist so sensibel geworden, dass sie bereits bei einem sanften Luftzug oder normaler Bewegung losgeht.
Einer der größten Stressfaktoren für uns sind medizinische Befunde. Begriffe wie „Bandscheibenvorfall“, „Verschleiß“ oder „Degeneration“ klingen wie ein Urteil. Doch die Wissenschaft zeichnet ein ganz anderes Bild.
Eine wegweisende Studie von Brinjikji et al. (2015) untersuchte hunderte Menschen ohne Schmerzen. Das Ergebnis war verblüffend:
37 % der schmerzfreien 20-Jährigen hatten bereits Bandscheibenvorfälle.
Bei den 50-Jährigen waren es bereits 80 %.
Diese strukturellen Veränderungen sind oft so normal wie graue Haare oder Falten im Gesicht. Sie sind Zeichen des Lebens, aber selten die alleinige Ursache für deinen Schmerz.
Warum werden manche Menschen „schmerzempfindlicher“ als andere? Die Antwort liegt in der Biologie unserer Nervenzellen.
Nerven leiten Informationen über sogenannte Ionenkanäle weiter.
Bei chronischem Stress oder lang anhaltendem Schmerz baut dein Körper mehr dieser Kanäle in die Nervenmembran ein und hält sie länger offen.
Das bedeutet: Der Schwellenwert, ab dem ein Nerv feuert, sinkt. Ein Reiz, der früher ignoriert wurde, wird nun als Bedrohung wahrgenommen. Wir nennen dies periphere Sensibilisierung.
Schmerz ist kein einzelner Punkt im Kopf. Er ist ein Netzwerk, ein sogenannter Neurotag. Wenn du Schmerz empfindest, feuern verschiedene Areale gleichzeitig:
Dein Gedächtnis (Erinnerung an alte Verletzungen).
Dein Emotionszentrum (Angst, Frust).
Dein Sensomotorisches Zentrum (Wo genau tut es weh?).
Wenn Schmerz länger als drei bis sechs Monate anhält, verändert sich die Signalverarbeitung im Rückenmark und im Gehirn massiv (Woolf, 2011). Wir sprechen von Zentraler Sensibilisierung.
Die „Lautstärkeregler“ im Kopf werden voll aufgedreht. In diesem Zustand hilft es oft wenig, nur das Knie oder den Rücken lokal zu behandeln, da das Problem in der Software (der Signalverarbeitung) liegt, nicht in der Hardware (dem Gewebe).
Dein Gehirn besitzt eine präzise Landkarte für jeden Zentimeter deines Körpers (den sogenannten Homunkulus). Schmerz wirkt hier wie ein Radiergummi: Die Landkarte für den schmerzenden Bereich verschwimmt („Smudging“).
Dein Gehirn kann den Bereich nicht mehr präzise ansteuern oder fühlen. Als Folge reagiert es mit Schutzspannung und Steifigkeit. Sensorisches Training hilft dir dabei, diese Landkarte wieder scharf zu zeichnen und den Schutzreflex zu lösen.
Nach dem Modell von Moseley & Butler (2015) berechnet dein Gehirn Schmerz wie eine Waagschale. Auf der einen Seite liegen die DIMs (Danger In Me – Gefahrensignale wie Stress, Angst oder MRT-Befunde).
Auf der einen Seite liegen die SIMs (Safety In Me – Sicherheitssignale wie Wissen, Kraft und positive Erlebnisse).
Überwiegen die DIMs, produziert dein Gehirn Schmerz. Stärkst du deine SIMs, senkt dein Gehirn den Alarm.
Dieser Artikel ist Teil meines großen Guides zum Thema Schmerzmanagement. Hier erfährst du alles über das Functional-Basics-Schmerz-Konzept.
Die wichtigste Erkenntnis lautet: Neuroplastizität. Dein Gehirn ist formbar wie Knete. Genauso wie es gelernt hat, Schmerz zu produzieren, kann es lernen, wieder schmerzfrei zu sein. Durch das Verständnis dieser Prozesse nimmst du dem Schmerz die Macht.
Hi, hier schreibt Carsten Wölffling, Gründer von Functional Basics, dem Health Meeting Leipzig & der Bewegung #GesundheitIstFürAlleDa.
Seit 2009 unterstütze ich als Sporttherapeut (B.Sc.), Gesundheits- & Ernährungsberater, systemischer Life & Stress-Coach, Ausbilder, Speaker & Health Content
Creator Menschen & Unternehmen zu mehr Gesundheit, Klarheit & Leichtigkeit im Leben.
Aufgrund meiner Arbeit mit verschiedensten Menschen & eigener Lebenserfahrungen, wie 2011 Burnout, 2015 Boreout mit Suizidgedanken, limitierenden Glaubenssätzen, mangelnder Selbstliebe,
trage ich die essenziellen Basics zusammen, um einfach glücklich gesund alt zu werden.
Was braucht es, um glücklich gesund alt zu werden? Eine sichere &
anpassungsfähige Basis.
Dafür kreiere ich Möglichkeiten, sodass du dein sicheres Fundament für mehr Wohlbefinden & Leichtigkeit kreieren kannst.
#GesundheitIstFürAlleDa
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