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Faszien (2) | Anatomie & Physiologie der Faszien


FASZIEN (2)

ANATOMIE & PHYSIOLOGIE DER FASZIEN


Lesezeit:

10min

Was erfährst du:

  • Bestandteile der Faszien
  • Funktionen der Bestandteile


Was macht die Faszien eigentlich so besonders und woraus bestehen sie? Hier geht es um ein Grundverständnis, damit du verstehst, warum Übungen mit Bällen & Rollen funktionieren und was sie tun.


AUFBAU EINER FASZIENZELLE



In der hier blau dargestellten Grundsubstanz,auch extrazelluläre Matrix (EZM), Zwischenzellflüssigkeit oder Matrix genannt, befinden sich verschiedenen Zellbestandteile und Fasern. Der Hauptbestandteil ist Wasser.


BESTANDTEILE DER FASZIENZELLE



FIBROBLASTEN - DER URSPRUNG

Sie sind die Mutter aller Zellbestandteile. Abhängig ihrer Belastung produzieren sie mehr Kollagen (bei Zugbelastung) oder EZM (bei Druckbelastung). Bei vermehrter Druckbelastung werden neben Flüssigkeit auch kompressionsdämpfende Proteoglykane gebildet. Fibroblasten und Fibrozyten sind auch in der Lage, Enzyme zu bilden (Kollagenasen | Proteasen), welche Kollagen abbauen.


FIBROZYTEN - ALTE FIBROBLASTEN

Sie sind das „ausgewachsene“ Stadium der Fibroblasten. Im Vergleich zu Fibroblasten sind sie kleiner und in ihren Funktionen inaktiver.


MYOFIBRILLEN - ES BEWEGT SICH

Diese Zellen besitzen zusätzlich eingelagerte Aktinfilamente, welche autonome (unwillkürliche) Kontraktionseigenschaften besitzen wie glatte Muskelzellen.


FETTZELLEN - SPEICHER, SCHUTZ & MEHR

Fettzellen übernehmen kompressionsdämpfende, mechanische, metabolische und isolierende (Thermoisolation) Aufgaben.


MASTZELLEN - IMMUNSYSTEM

Diese Zellen gehören zum Immunsystem und kümmern sich um Schadstoffe und Stoffwechselendprodukte.


WASSER - LEBEN

Der durchschnittliche Wassergehalt des Menschen liegt bei 60%. Die Gewebearten besitzen unterschiedliche Anteile an Wasser: Knochengewebe < Fettgewebe < Muskelgewebe < interstitielle Raum (Zwischenzellraum, Matrix) < Blutplasma.


GRUNDSUBSTANZ - DAS LABOR

Die Grundsubstanz oder auch der extrazellulärer Raum ist das Labor, von dem jegliche Funktionen gesteuert werden. Hier befinden sich alle anderen hier genannten Bindegewebsbestandteile. Proteoglykane und Glykosaminoglykane sind Bestandteile, welche Kompressionen absorbieren können.


FIBRONEKTIN - DER KLEBER

Fibronektin ist eine Art Klebstoff des Körpers und besitzt die Aufgabe, verschiedene extrazelluläre Bestandteile miteinander in Verbindung zu bringen. Im Knorpel oder Bandscheiben bilden sie große Proteoglykanketten, welche große Mengen an Wasser binden können. Bei Verklebungen der Faszie (Crosslinks) bilden sie die Verbindungen zwischen Kollagensträngen, welche zu Immobilität führen kann. Tatsächlich ist dies ein Kreislauf, da Immobilität gleichzeitig zu Crosslinks führen kann.


KOLLAGEN - STRUKTUR

Kollagen und Elastin gehören zu den Strukturproteinen. Wenn man Kollagen kochen würde, bekäme man eine weiße, klebrige Masse. Daher bedeutet Kollagen auch schleimbildend. Schaut man sich die Struktur des Kollagens an, findet man eine Kollagenhelix. Fasern drehen sich entgegen gesetzt umeinander und erhöhen somit die Belastbarkeit.

 

Der Verlauf von Kollagenstrukturen ist unterschiedlich, je nach Beanspruchung. Bei Sehnen und Bändern verlaufen sie tendenziell parallel. Wenn die Kollagenfasern entspannt sind, sind sie wellenförmig.



ELASTIN - GESCHMEIDIGKEIT

Im lockeren Bindegewebe überwiegen die elastischen Fasern. Besonders in Haut und in den Gefäßen, aber auch in geringen Anteilen in den Sehnen und Bändern. Der Anteil in Sehnen liegt bei nur 2% und bei Gefäßen bei ca. 50% - entsprechend der Funktion [1]. Die Dehnverlängerung liegt zwischen 100-150%. Darüber hinaus verformen sie sich bzw. können reißen. Ihre Aufgabe ist es, Dehnbelastung und einwirkende Kräfte auf das Kollagen gleichmäßig zu verteilen, um Schäden am Kollagen zu vermeiden. Elastinfasern sind sehr verzweigt und besitzen sehr viele Crosslinks – Verbindungen untereinander.



NERVENZELLEN - FASZIEN ALS 6. SINN


Faszienstrukturen sind durchzogen von Nervenendigungen und bilden unseren 6. Sinn. Die Vielzahl der Rezeptoren gibt uns u.a. unser Bewegungsgefühl. Liegen hier Störungen vor, sei es Schwächen oder pathologischer Verlust, führt dies zum Verlust der Sensomotrik und Koordinationsmangel. Ian Waterman ist hier als Beispiel zu nennen. Die Rezeptoren agieren nicht jeder für sich, sondern miteinander. Hier ist weitere Forschung von Nöten, um die Zusammenhänge besser zu verstehen.


Ein paar Details zu unseren Nervenzellen:

  • Golgi-Rezeptoren
    • Lokalisation: Muskel-Sehnen-Übergänge; Aponeurosen-Endigungen; Bänder peripherer Gelenke; Gelenkkapseln
    • Sensitivität: Golgi-Sehnenorgane: auf muskuläre Kontraktion; andere Golgi-Rezeptoren: vermutlich nur auf kräftige Dehnreize
    • Wirkung: Senkung der Muskelspannung (Tonus) verbundener Muskelfasern

Vater-Picini-Rezeptoren

  • Lokalisation: Muskel-Sehnen-Übergang;  tiefe Kapselschichten; spinale Ligamente; umhüllende uskelfaszien
  • Sensitivität: rasche Druckwechsel & vibrierende Manipulation
  • Wirkung: proproprezeptives Feedback zur Bewegungssteuerung (Kinästhetik - Lehre der Bewegungsempfindung)

Ruffini-Rezeptoren

  • Lokalisation:  Ligamente peripherer Gelenke; Dura mater (Bestandteil der Hirnhäute - äußerste Begrenzung) ; äußere Kapselschichten und anderes Gewebe, die auf regelmäßiger Dehnung angelegt sind
  • Sensitivität: wie Pacini, aber auf anhaltenden Druck, speziell empfindsam für Tangentialbelastungen (Stretch/Zug)
  • Wirkung:  Senkung der Aktivität des Sympathikus (Leistungsbereitschaft & Aktivität)

freie Nervenendigungen - interstitielle Rezeptoren

  • Lokalisation: häufigster Rezeptor, findet sich fast überall, selbst in Knochen; dichtes Vorkommen im Periosteum
  • Sensitivität: sowohl bei wechselndem als auch anhaltenden Druck; besitzen unterschiedliche Reizschwellen
  • Wirkung: Verstärkung der Vasodilatation (Gefäßerweiterung - mehr Durchfluss); vermutlich auch eine Verstärkung der Plasma-Extravasation - Austritt des Plasmas in die Grundsubstanz)

FAZIT


Faszien sind allgegenwärtig und auf Grund ihres Aufbaus und ihrer Bestandteile reagieren sie auf verschienste Reize. Verschiebe ich mit der Hand oder einem Gegenstand meine Haut, hat dies einen Einfluss auf die darunter liegende Schichten. Je nach Druck, Vibration und Geschwindigkeit hat es verschiedene Auswirkungen. Bewege ich mich im Raum, bewegen und verschieben sich verschiedene Gewebsschichten gut und weniger gut. Wieso gut und weniger gut, list du in den nächsten Serienabschnitten zur "Faszie".


[1] Angewandte Physiologie 1 | F. van den Berg | 3. Auflage | Thieme Verlag


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Dein Coach für artgerechte Gesundheit Carsten



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Carsten Wölffling (B.Sc) | Functional Basics

Coach & Speaker für artgerechte Gesundheit

Sporttherapeut, Health & Food Coach, kPNI i.A, 

Barefoot Coach, Biohacker

 

+49 (0) 176 530 57 135 | functional.basics@gmail.com



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